Was schreibe ich denn nun?

Heute kann ich auf jeden Fall sagen, daß mein Vater mein bester Freund geworden ist. Ich finde es schön, daß wir über alles so toll reden können, auch wenn die Kritik manchmal schwer verdaulich ist.

Es ist nicht leicht zu erklären, wie ich mich fühlte, als ich ihm den ersten Brief schrieb. Aufregung war es auf jeden Fall, es geisterten so viele Sachen durch den Kopf herum.

Wie soll ich mich ausdrücken? Was soll ich überhaupt schreiben? Was will ich erzählen? Was möchte er gerne hören? Und was nicht? Was ist wichtig für mich? Jegliche Art von Vorwürfen sollten es nicht sein! Die schlimme Zeit war vorbei und geändert hätten sie ja auch nicht´s daran, daß ich adoptiert worden war. Außerdem wollte ich erst Antworten finden, bevor ich jemanden verurteile!

Erst machte ich eine Liste, denn ich hatte sehr viel zu erzählen. Das mußte erst mal in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Dann die vielen Fragen, die ich ihm stellen wollte. Hatte ich keine vergessen? Ja, es kam schon eine Menge zusammen. Erst als ich völlig zufrieden war mit dem Brief - schickte ich ihn mit den ersten Foto´s ab. Ich war total gespannt darauf, was und ob er mir überhaupt zurückschreiben würde!

Die Antwort:

Er war sehr erstaunt über meinen netten Brief, wie er mir schrieb, daß wir Kinder ihn kennenlernen wollten, trotz der Vorgeschichte, das konnte er nicht ganz verstehen.

Klar, abgeschloßen war meine Vergangenheit damit noch lange nicht. Da waren noch all die Fragen. Er beantwortete sie mir so gut er konnte. Nun bekam ich endlich ein Bild von der ganzen Situation, die damals zu all dem geführt hatte. Ich konnte es besser verstehen. Das zu verarbeiten, war trotzdem nicht ganz leicht für mich. Ich bewältigte alles in meinen Träumen.

Er hatte mir die Geschichte so erzählt, wie er sie im Laufe der Jahre sah. Ich war froh endlich klarer sehen zu können. Und das was mir unklar blieb, fragte ich noch mal nach. Wie schon gesagt, es entwickelte sich mit der Zeit eine enge Freundschaft, die ich heute nicht missen möchte! Vater-Tochter-Beziehung ? Ja, schon! Aber wahrscheinlich anders als in anderen Familien.

Bevor wir uns das erste Mal sahen, schrieben wir uns viele lange Briefe. Da ich noch nicht volljährig war und mein Vater sich nicht in mein Leben einmischen wollte, war das auch besser so. Ja, ich hatte meine liebe Familie, die sich erstmal daran gewöhnen mußte, daß da mein leiblicher Vater war, den ich unbedingt kennenlernen wollte.

In der Zeit stand ich gefühlsmäßig zwischen den Fronten. Auf der einen Seite war meine Familie, die ich liebte, die mir immer alles gegeben hatte was ich brauchte. Auf der anderen Seite war mein leiblicher Vater. Er hatte mich zur Adoption freigegeben, warum auch immer. Er konnte bei mir allerdings für inneren Frieden sorgen. Das suchte ich im Grunde. Und was noch? Eine neue Bezugsperson? Ja,das wohl auch!

Das erste Treffen:

Ich hatte die Zustimmung meiner Eltern, wir hatten ja darüber gesprochen. Seine Briefe hatte ich ihnen auch nie vorenthalten, da ich diese Offenheit gewohnt war. Warum auch? Ein Vorteil wäre es bestimmt nicht unbedingt gewesen.

Nun trafen wir uns bei meinem Bruder. Durch die vielen Briefe hatten wir uns schon gut kennengelernt. Es ging im Grunde nur noch um das Sehen. Die Foto´s,die wir uns gegenseitig geschickt hatten,waren doch etwas ganz anderes.

Das war schon ziemlich aufregend für mich. Nach so vielen Jahren meinem Vater gegegenüber zu sitzen /stehen, war schon sehr merkwürdig. Auch dieser Tag war für mich etwas ganz besonderes!Sehr schön, aber auch sehr irritierend auf der anderen Seite! Sowas kommt ja nicht jeden Tag vor! Wer hat schon das Glück überhaupt sowas zu erleben? Gibt es irgendwo Familien wie wir, die so eine Zusammenführung gemacht haben? Diese Frage bleibt für mich bis heute unbeantwortet!

             Hier stellt sich mein leiblicher Vater vor.

 

 

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